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Auf dem Trockenen 20. Juli 2006. Die Sommer in Europa werden immer heißer. Regen bleibt aus, Böden vertrocknen. Das schadet nicht nur der Landwirtschaft. Auf der Oder musste gestern die Schifffahrt eingestellt werden, der Pegel ist zu niedrig. In England rechneten Meteorologen für heute mit einem Hitzerekord von 39 Grad, Gewerkschaften riefen bereits dazu auf, die strenge Kleiderordnung in den Büros zu lockern. Die Hitze in Europa und ihre Folgen für Mensch und Umwelt.
Der Klimawandel Prognose: Wissenschaftler warnen vor einem Klimawandel: die mittlere Temperatur auf der Erde wird sich bis zum Jahr 2100 um 1,4 bis 5,8 Grad Celsius erhöhen. Ursache hierfür ist nach Ansicht der Forscher der Treibhauseffekt. Belege: Studien bestätigen den Klimawandel: im 20. Jahrhundert stieg die mittlere Temperatur um 0,6 Grad Celsius, der Meeresspiegel um 10 bis 20 Zentimeter. In den Alpen schmelzen die Gletscher. Folgen: Die Konsequenzen sind enorm: die Zahl extremer Wetterlagen wie Fluten oder Hitzewellen nimmt zu. Trockenheit kann zu Wasserengpässen führen, den Bauern drohen Ernteausfälle. Über den Autobahnen des Landes spannen sich alle paar Kilometer elektronische Hinweistafeln. Sie erinnern die Fahrer an die Zahl der Verkehrstoten. Dieser Tage haben die Schilder eine andere Botschaft: "Hohe Waldbrandgefahr. Eine Kippe aus dem Fenster werfen: 4 Punkte". Das Land stöhnt unter der Hitze. In Spanien brechen jedes Jahr rund 20 000 Waldbrände aus. Daran ist die Trockenheit schuld. Und der Mensch. Viele der Feuer gehen nämlich auf Brandstiftung zurück. Die Heftigkeit der Brände hat dennoch viel mit dem Wetter zu tun. In Spanien herrscht extreme Trockenheit, umso leichter kann sich jedes kleine Feuer in ein unkontrollierbares Inferno verwandeln. In Spanien hat es in den vergangenen zwölf Monaten zwar gut geregnet, doch das hat nach der Jahrhundertdürre des Vorjahres nur dazu gereicht, dass die Stauseen des Landes derzeit zur Hälfte gefüllt sind. Eigentlich sollten sie Mitte Juli noch zu knapp zwei Drittel gefüllt sein. Auch auf die Portugiesen wartet ein gefährlicher Sommer. Dort starben zuletzt sechs Feuerwehrleute, als sie im Norden des Landes einen Waldbrand löschen wollten. Starke Winde fachten gestern die Feuer bei Temperaturen von 41 Grad immer wieder an. Und die extreme Hitze soll weiter anhalten. In der ersten Jahreshälfte brannte es in Portugal schon fast 7 000 Mal. Im Vorjahr fielen nach extremer Dürre 325 000 Hektar Wald und Busch dem Feuer zum Opfer, es war das zweit schlimmste Jahr nach 2003. Die Luft flimmert, die Ozonwerte steigen, die Temperaturen klettern auf bis zu 40 Grad. Nicht nur in Südfrankreich ebbt die Hitze derzeit nicht ab. Auch in Paris kühlt es nachts kaum noch ab. Das weckt ungute Erinnerungen an das Jahr 2003. Damals starben bei einer Hitzewelle fast 15 000 Menschen. Schuld war aber nicht nur das heiße Wetter, auch Frankreichs Gesundheitssystem war überfordert. Das soll sich diesmal nicht wiederholen. Die Kommunen haben ein Verzeichnis alter, allein lebender Mitbürger erstellt. Nachbarn wurden als Betreuer geworben. Fast alle Altersheime verfügen nun dank öffentlicher Zuschüsse über mindestens einen Raum mit Klimaanlage. Kliniken haben zusätzliche Betten und Pfleger erhalten. 26 Millionen Euro hat der Staat investiert, damit sich das Desaster von 2003 nicht wiederholt. In Radio, TV und Zeitungen mahnen Ärzte an das Gebot der Stunde: trinken, mindestens 1,5 Liter am Tag. Manche fürchten aber, die Vorkehrungen reichen nicht. Ein paar Klinikbetten, das sei zu wenig, um der Herausforderung einer neuen Hitzewelle begegnen zu können, klagt ein Pariser Notarzt. Auch Holland stöhnt unter der Hitze. Die Bodentrockenheit im Juli ist dreimal größer als üblich. Daher kommt es in diesen Tagen zum Äußersten. "Wir werden wohl mehr Bewässerungsverbote aussprechen müssen", sagte Esther Rijnders vom Wasserverband der Zeitung Volkskrant. Sollte die Hitze andauern fürchten Hollands Bauern Ernteausfälle. Das gilt nicht nur für Gemüse. "Die Hitze macht auch den Kartoffeln zu schaffen. Sie wachsen bei über 25 Grad sehr schlecht", sagte Jakob Bartelds vom Bauernverband LTO Nederland. Bundesweit rechnen die Bauern wegen der Hitze mit zum Teil erheblichen Ernteeinbußen. So stellen sich Brandenburgs Bauern bei der Wintergerste auf bis zu 30 Prozent geringere Erträge als im Vorjahr ein - das war aber ein Rekordjahr. Mit Rekorden rechnen die Obstbauern, die ihre Plantagen bewässern können. Noch. Denn auch wenn sich starke Gewitterfronten Deutschland nähern. Die kurzzeitig heftigen Regenfälle reichen nicht aus, um die Niederschlagsdefizite der vergangenen Monate dauerhaft auszugleichen. Doch jede Krise hat auch ihre Profiteure. Für Urlaubsgebiete in Deutschland, die gewöhnlich keine Sonnengarantie haben, ist das Wetter ein Segen. An der Ostsee sind derzeit kaum noch Quartiere zu bekommen. Letzte Aktualisierung: 20.07.2006, 11:12 Uhr |
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