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Die Jagd nach den tierischen Unbekannten Glauben Sie, dass es den Yeti wirklich gibt? Das Ungeheuer vom Loch Ness? Oder existieren solche fabelhaften Kreaturen nur in unserer Fantasie? Dieser Frage gehen Kryptozoologen nach: Ihre Aufgabe ist die Suche nach bisher unentdeckten Lebewesen. Die Kryptozoologie (griechisch kryptos - verborgen; zoon - Tier; logia - Studie, Forschung) ist eine noch junge, auf den ersten Blick ziemlich obskur anmutende Forschungsdisziplin. Den Begriff gibt es seit den 50er Jahren, gemeint ist damit die Erforschung des Auftretens verborgener Arten. Und solcher, die man für längst ausgestorben hielt. Kryptozoologen durchstöbern auf Expeditionen Ozeane, Dschungel und Gebirge. In zoologischen Berichten, aber auch in künstlerischen oder historischen Quellen suchen sie nach seltsamen Beobachtungen und versteckten Hinweisen. Sie wollen nicht glauben, dass unser Planet schon alle Geheimnisse preisgegeben hat. Wertvolle Indizien für bislang verborgene Geschöpfe sind Erzählungen von Eingeborenen und Augenzeugenberichte. Denn Tiere wie das Okapi, der Quastenflosser oder der erst 1993 in Vietnam entdeckte Spindelbock waren der einheimischen Bevölkerung längst vertraut, bevor die Zoologie sie überhaupt zur Kenntnis nahm. Und tatsächlich rollen die Kryptozoologen immer wieder Rätsel auf, entdecken Arten, die für die offizielle Naturwissenschaft nicht existierten. Oder als längst ausgestorben gelten, wie zum Beispiel das "Nördliche Breitmaulnashorn", der "Goliathfrosch" oder der berühmte "Quastenflosser".
Südamerika, Afrika, Asien und die unendlichen Weiten der Weltmeere sind die Gebiete, in denen immer wieder sensationelle neue Entdeckungen gemacht werden, die die Wissenschaft staunen lassen. Auch wenn Satelliten regelmäßig die ganze Erdoberfläche überwachen - was im Schutze tropischer Regenwälder oder in den Tiefen der Ozeane lebt, bleibt sogar modernster Spionage-Technik verborgen. Und die Tatsache, dass noch niemand das legendäre Ungeheuer vom schottischen Loch Ness wirklich gesehen hat, ist für Kryptozoologen kein Beweis dafür, dass es Nessie tatsächlich nicht gibt. Ihr Motto: Man kann nie sicher sein, solange man es nicht überprüft hat. Als Begründer der Kryptozoologie gilt der französische Zoologe Bernard Heuvelmann. Er hat über 100 umstrittene oder fabelhafte Tierarten aufgelistet und systematisch Indizien zusammengetragen für die Existenz unbekannter, verlorener oder verschollener Arten. Hinweise auf Affenmenschen aus allen Regionen der Welt - vom Orang-Pendek auf Sumatra, dem Yeti im Himalaya, dem Alma in der Mongolei bis zum nordamerikanischen Bigfoot. Und auf ausgerottete Tiere wie die Stellersche Seekuh, die Moas oder die Beutelwölfe, auf Relikte aus der Vorzeit - Saurier, Mammuts oder eben Riesenfaultiere - und auf noch völlig unbekannte Arten wie das australische Bunyip oder den "Nandi-Bär" in Kenya. Ein berühmtes Beispiel ist der Quastenflosser. Die Entdeckung dieses "lebenden Fossils" lieferte 1938 eine der zoologischen Sensationen des 20. Jahrhunderts. Aber wir waren schon vorher von lebenden Fossilien umgeben: Libellen, Ameisen, Muscheln und Haie haben ihre Merkmale zum Teil schon länger bewahrt als die Quastenflosser. Nur hielt man sie eben nie für ausgestorben. Das 20. Jahrhundert - in dem 40 Prozent aller Säugetiere entdeckt wurden - brachte außerdem eine ganze Reihe von Tieren ans Tageslicht, die man zuvor für Fabelwesen gehalten hatte. Mit dem Okapi, dem Berggorilla und dem Riesenwaldschwein wurden drei kapitale Säugetierarten entdeckt. 1906 wurde auf Neuguinea der Königin-Alexandra-Vogelflügler durch einen Schuss erlegt - für diese Schmetterlinge mit fast 30 Zentimeter Spannweite, die in Höhe der Baumwipfel leben, reichte kein Netz. In den folgenden Jahren fanden Forscher das winzige Zwergflusspferd und den gewaltigen Komodowaran. Und 1930 wurde im syrischen Aleppo ein Tier erneut entdeckt, dass als in freier Wildbahn schon wieder ausgestorben galt: der sagenumwobene Goldhamster.
Vor allem die Vorstellung von Seeungeheuern fasziniert die Menschen schon seit Jahrhunderten. Der "Renner" unter den fabelhaften Berichte über vielarmige, riesenhafte Meerestiere, die verborgen in den eisigen Tiefen des Ozeans auf Beute lauern, Segelschiffe angriffen und deren mächtige Tentakel bis an die Spitzen der Masten reichten. Sie versetzten Seeleute in Angst und Schrecken. Oft wurden solche Erzählungen als Seemannsgarn abgetan, doch die Vorstellung von Seeungeheuern fasziniert die Menschen schon seit Jahrhunderten. Denn die Riesen der Tiefe leben in Räumen, die unserem zweidimensionalen Denken kaum vorstellbar sind. Der "Renner" unter den sagenumwobenen Seeungeheuern: der Riesenkalmar. Immer wieder berichteten Walfänger, dass erlegte Pottwale im Todeskampf riesige Tentakel und Körperteile eines Wesens erbrechen, das nur aus der Sage bekannt war. 1755 hatte der Bischof von Bergen in seiner "Naturgeschichte Norwegens" den Umfang des riesigen Tintenfischs mit anderthalb englischen Meilen angegeben - das sind fast zweieinhalb Kilometer. Und in dem Klassiker "Moby Dick" berichtet Herman Melville von gewaltigen Kämpfen, die sich Pottwale mit diesem Monstrum in der Tiefsee liefern. 1857 wurde das vermeintliche Fabelwesen von Biologen anerkannt und beschrieben. Zoologisch korrekt zählt Architeuthis zu den Kalmaren. Im Unterschied zu den achtarmigen Oktopussen, den eigentlichen Kraken, besitzt der Riesenmollusk zehn Greifer - acht Fangarme und zwei noch längere Tentakel mit keulenförmigen Enden. Im Oktober 1873 hatten die Heringsfischer Squires und Piccot ein Erlebnis, das selbst Jules Vernes Phantasie übertraf: Sie ruderten vor Neufundland zu einem Wrack hinaus. Doch als sie es mit einem Enterhaken heranziehen wollten, schlug das vermeintliche Wrack einen großen, harten Kiefer in die Bordwand und umschlang das kleine Ruderboot mit einem riesigen Tentakel. Tom, der zwölfjährige Sohn des Fischers Piccot, hackte den langen Fangarm ab, rettete so Boot und Besatzung und bescherte der Wissenschaft ein fast sechs Meter langes Beweisstück für die Existenz monströs-großer Kraken.
Weitere Exemplare dieser Spezies kamen in der folgenden Zeit zum Vorschein: Allesamt aber nur tote Kadaver, die an den Strand gespült wurden oder Fischern in die Netze gingen - besonders in Neuseeland, Neufundland und Norwegen. Doch die Wissenschaft konnte sich ein Bild machen von der sagenumwobenen Meereskreatur, mit lateinischem Namen Architheutis, die in rund 1.000 Metern Tiefe lebt. Seine Augen sind so groß wie Radkappen, seine acht Arme sind mehrere Meter lang, die beiden Tentakel sogar mehr als zwölf Meter, besetzt mit Saugnäpfen und Hornkrallen, die auf der Haut von Pottwalen tiefe Narben hinterlassen - Kampfspuren aus der Tiefe. Außerdem verfügt er über einen gewaltigen Hornschnabel, Zähne auf der Zunge und Wasserdüsenantrieb. Die größten bisher vermessenen Exemplare waren so schwer wie ein Mittelklassewagen und knapp 20 Meter lang. Damit sind sie die größten Weichtiere der Erde. Wissenschaftler schätzen, daß Exemplare von 50 Metern Länge und mehr in der Tiefe leben. So gigantisch die Riesenkraken auch sind - zum menschenverschlingenden Ungeheuer taugen sie nicht. Sie ernähren sich hauptsächlich von Fisch und kleineren Tintenfischen, außerdem kommen sie so gut wie nie mit Menschen in Kontakt - schließlich liegt ihr Lebensraum zwischen 300 und circa 2.000 Metern in der Tiefsee. Darum ist über Architheutis auch nicht viel mehr bekannt. An die Meeresoberfläche kommt er nur, um zu sterben, und alle Expeditionen, die ihn in seiner natürlichen Umgebung beobachten wollten, blieben erfolglos. Nur wenn die Riesenkraken Nachwuchs bekommen, schwimmen sie in höhere Meeresschichten.
Eine weitere sagenumwobene Kreatur der Tiefsee ist der "Großzahn-Hai", lateinisch Carcharocles megalodon. Einer der größten Räuber, die je auf unserer Erde auf Beutejagd gewesen sind. Er lebte vor ca. 25 bis 10 Millionen Jahren und ist ein naher Verwandter des heutigen Weißen Hais. Kenntnis vom Megalodon hat die Wissenschaft durch an den Strand gespülte Zähne gewonnen. Zähne, die denen des Weißen Hais ins Detail gleichen, allerdings mehr als dreimal so groß sind: Bis zu 18 Zentimetern können sie lang werden. Ausgehend von den Zähnen schätzen Wissenschaftler, dass der Megalodon eine Größe von über 20 Metern erreichte und um die 20 Tonnen wog. Zum Vergleich: Der größte Weiße Hai, der jemals vermessen wurde, war etwa sieben Meter lang und um die zwei Tonnen schwer. Selbst jugendliche Megalodons hatten Zähne, die so lang waren wie die eines ausgewachsenen fünf Metern langen Weißen Hais. Seine Hauptnahrung bestand aus Walen, er ernährte sich aber auch von größeren Fischen, Robben und Seelöwen sowie gigantischen Tintenfischen. Vor etwa 11.000 Jahren soll der gigantische Räuber dann ausgestorben sein. Er schwamm also noch zu der Zeit durch die Weltmeere, als der nordamerikanische Kontinent von Menschen besiedelt wurde. Sicher ist das aber nicht: Es könnte ebenso gut sein, dass der Megalodon in den unerforschten Tiefen der Weltmeere bis heute überlebt hat. Die Tatsache, dass bis heute kein Exemplar dieser Art gefunden wurde, bedeutet schließlich nicht, dass er nicht noch existiert. Angeblich wurde schon einmal ein Exemplar des Megalodons gesehen: Im Jahr 1918 wurden die Krebsfischer von Port Stephens plötzlich starr vor Angst: Direkt vor ihren Booten erschien ein Hai von so riesigen Ausmaßen, wie sie es bisher noch nie gesehen hatten: Mindestens 30 Meter soll seine Länge betragen haben, einige Fischer berichteten sogar, er sei fast 100 Meter lang gewesen. Das gigantische Wesen verschlang ihre Krebsnetzte - und verschwand wieder in der Tiefe. Doch wer weiß - vielleicht wird eines Tages ja doch noch ein lebendes Exemplar des legendären "Großzahn-Hais" gesichtet...
Nicht nur die Tiefsee soll tierische Geheimnisse bergen - auch in den Wäldern Nordamerikas vermuten Kryptozoologen eine Kreatur, die die Fantasie der Menschen schon seit langer Zeit beschäftigt: Dort soll der "Bigfoot" leben, das sagenumwobene Lebewesen in Menschen- bzw. Affengestalt. Die Indianer erzählen schon seit vielen Generationen von diesem Wesen, das je nach Region unter verschiedenen Namen bekannt ist: Im nördlichen Kalifornien nennen sie es Omah, im Skagit Valley Washingtons Kala´litabiqw, in British Columbia und Kanada Sasquatch. Auch Jäger und Goldschürfer, die in den vergangenen Jahrhunderten in diesen einsamen Regionen unterwegs waren, trafen auf das "Monster". 1811 entdeckte der Forschungsreisende David Thompson als erster Weißer riesenhafte menschliche Fußspuren in den kanadischen Wäldern. Seitdem wurden immer wieder solche Spuren gefunden, Schuhgröße 61 und mehr - daher der Name. Und unzählige Menschen wollen dem leibhaftigen "Bigfoot" sogar schon gegenüber gestanden haben. Inzwischen berichten meist erlebnishungrige Städter auf "adventure trip" von Begegnungen mit der rätselhaften Kreatur. Der Haken an dieser Geschichte: Es gibt keine Beweise. Fußspuren, Haare, Exkremente, Fotographien - das alles könnte auch gefälscht sein. Kadaver, Knochen oder Zähne - zuverlässige Beweismittel also - gibt es nicht. Dafür aber um so mehr abenteuerliche Geschichte von Begegnungen mit den pelzigen "Monstern". 250 bis 350 Kilo schwer sollen die "menschenähnlichen" Geschöpfe mit behaarten Ohren und Gesichtern, langen, starken Armen und einer flachen Nase sein. Das Gegenstück zum amerikanischen Bigfoot ist der Yeti, der Schneemensch, der im zentralasiatischen Hochgebirge (Himalaya, Pamir) vorkommen soll. Auch seine Existenz konnte bisher nicht nachgewiesen werden. 1960 machte sich der Bergsteiger Sir Edmund Hillary daran, Berichten über Yetis nachzugehen. Hillary fand jedoch keinerlei Hinweise auf das Wesen. Ein "Yetiskalp", den er aus einem Kloster in Tibet mitbrachte, entpuppte sich als Pelzmütze aus Ziegenleder. 1997 behauptete der Extrembergsteiger Reinhold Messner, den Schneemenschen - 13 Jahre nach Beginn seiner Suche - entdeckt zu haben. "Ich habe den Yeti gefunden. Wir standen uns Auge in Auge gegenüber", sagte er dem österreichischen Magazin News nach der Rückkehr von seiner Expedition in Pakistan. Und er habe ein "gestochen scharfes Foto" gemacht. In seinem Buch "Yeti. Legende und Wirklichkeit" (1998) enthüllte er, dass es sich beim Yeti um einen Bären handelt, der "erst in der Wildnis des Himalaya zusammen mit all den blutrünstigen Legenden, die sich die Himalaya-Bewohner über den Yeti erzählen, zu diesem Fabelwesen wird." |
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