![]() Themen |
Im 9. Jahrhundert siedelten sich die aus dem Osten kommenden Magyaren in der Pannonischen Ebene an. Unter Stephan I. wird Ungarn im Jahr 1000 ein Königreich. Nach dem Aussterben der Arpaden folgten Herrscher aus den Häusern Anjou, Polen, Luxemburg und Habsburg. 1526 fällt das Kerngebiet an die Türken. 1699 "befreiten" die Habsburger das Land und gliederten es der Donaumonarchie ein. Unter Maria Theresia wurden deutsche Siedler, die "Donauschwaben", ins Land geholt. Der Freiheitskampf 1848/49 wurde niedergeschlagen, 1867 die "Doppelmonarchie" Österreich-Ungarn ausgerufen; Kaiser Franz Joseph I. ließ sich in Budapest zum ungarischen König krönen. Nach dem Ersten Weltkrieg und Zerfall des Habsburgerreiches erfolgte die Unabhängigkeitserklärung am 16. November 1918, das Land wurde 1919 für 133 Tage Räterepublik. Im Frieden von Trianon 1920 mußte Ungarn Gebietsabtretungen an die (neue) Tschechoslowakei, an Rumänien, Jugoslawien und Österreich hinnehmen, über zwei Drittel seines Staatsgebietes. Im Zweiten Weltkrieg stand Ungarn auf deutscher Seite und kämpfte gegen die Sowjetunion. 1944 besetzten russische Truppen das Land . Nach dem Waffenstillstand 1945 wurde am 1. Februar 1946 die Republik ausgerufen. Im folgenden Jahr Freundschaftsvertrag mit der UdSSR und auf sowjetischen Druck Fusion der Kommunisten und Sozialdemokraten. Der Volksaufstand wurde 1956 von sowjetischen Truppen niedergeschlagen. Janos Kadar übernahm die Macht. Der anfangs willfährige Handlanger der Sowjets entwickelte sich zu einem vorsichtigen Reformer. Ungarn blieb ein immer leicht aufmüpfiger Partner der Sowjetunion ("Gulaschkommunismus"). Die wirtschaftliche Liberalisierung begann schon 1982. 1987 wurden die Beschränkungen für Westreisen aufgehoben, 1988 gab es Demonstrationen für Versammlungs- und Pressefreiheit. Bereits 1989 wurde die abgewirtschaftete kommunistische Einheitspartei aufgelöst. Das Parlament verabschiedete eine Verfassungsänderung, die ein Mehrparteiensystem einführte. Am 23. Oktober wurde die Republik Ungarn proklamiert. In freien Parlamentswahlen 1990 scheiterten die Kommunisten an der Vierprozentklausel. Das konservativ-liberale Lager gewann. Sämtliche sowjetischen Truppen verließen bis 1991 das Land. Die Weltbank unterstützte den Übergang zur Marktwirtschaft 1991 mit einem umfangreichen Kredit. Die Wahlen von 1994 ergaben die absolute Mehrheit für die Sozialisten, Gyula Horn wurde Ministerpräsident. Nach dem Sieg der Bürgerpartei FIDESz 1998 fand ein Machtwechsel mit Victor Orban an der Sitze statt. Autonomieforderungen der ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern, 1996 von ungarischen Regierungsmitgliedern unterstützt, provozierten den Protest der Slowakei und Rumäniens. Berichte des Europäischen Komitees für die Verhütung von Folter weisen auf polizeiliche Gewalt hin. Das Komitee kam zu dem Schluß, daß "inhaftierte Personen einem nicht unbeträchtlichen Risiko ausgesetzt sein, mißhandelt zu werden". In Ungarn haben Unbekannte das Grab des ehemaligen kommunistischen Ministerpräsidenten Janos Kadar geschändet. Mehrere Knochen und der Schädel Kadars seien verschwunden, sagte ein Polizeisprecher am 03.05.2007 in Budapest. Auch die Urne mit der Asche von Kadars Frau sei gestohlen worden. An die nahe gelegene Ruhmeshalle der kommunistischen Arbeiter hätten sie den Satz "Mörder und Verräter dürfen nicht in heiliger Erde ruhen" geschmiert worden. Die Grabschändung wurde von den Parteien im ungarischen Parlament einhellig verurteilt, Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany sprach von einer "unmenschlichen und feigen Tat". Kadar wurde nach Niederschlagung des Ungarn-Aufstands 1956 auf Druck Moskaus Ministerpräsident und regierte das Land über drei Jahrzehnte. Später verfolgte er eine vergleichsweise liberale Wirtschaftspolitik. 1989 starb Kadar im Alter von 77 Jahren. Hunderte rechtsgerichtete Demonstranten haben sich am 16.03.2008 in Budapest Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Demonstranten bewarfen die Polizei mit Brandsätzen, diese reagierte mit Tränengas und löste die größten Ansammlungen auf. Es kam aber immer wieder zu kleineren Ausschreitungen. Die Teilnehmer der Protestaktion versuchten, mehrere Feiern zur Erinnerung an die gescheiterte Revolution von 1948 zu stören. Mindestens 21 Menschen wurden festgenommen, wie das Fernsehen berichtete. Drei Polizisten wurden leicht verletzt, mehrere Polizeifahrzeuge von Brandsätzen getroffen. Augenzeugen sagten, auch die Kleidung von zwei Demonstranten habe Feuer gefangen. Zuvor war eine Demonstration von zehntausenden Anhängern der größten Oppositionspartei Fidesz friedlich zu Ende gegangen. Der konservative Ex-Premier Viktor Orban sagte vor tausenden Anhängern, Ungarn verdiene etwas Besseres. In Ungarn waren zuletzt die Rufe nach einem Rücktritt des sozialistischen Regierungschefs Ferenc Gyurcsany lauter geworden, nachdem vor einer Woche in einer Volksabstimmung eine klare Mehrheit zentrale Reformen der Regierung abgelehnt hatte. Hintergrundberichte:
|
a
|
(C) erdkunde-wissen.de. Konzept, Gestaltung und Redaktion: erdkunde-wissen.de. Nachdruck, Weiterverarbeitung, Weitergabe an Dritte sowie Veröffentlichung nur mit schriftlicher Genehmigung. Keine Haftung für falsche Angaben, keine Gewähr über die Richtigkeit der Informationen. Haben Sie Fragen, Anregungen oder Kritik? Mailen Sie uns einfach.