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Frei und unabhängig waren Esten in ihrer Geschichte von 1918 bis 1940 und seit 1991. Eng verbunden mit ihren baltischen Nachbarn Lettland und Litauen, teilten die Esten deren Los; sie waren Beute der nordeuropäischen Großmächte, der Dänen, Schweden, Deutschen und Russen. Im Frieden von Tartu 1920 garantierte Sowjetrußland dem Land Unabhängigkeit "für alle Zeiten". 1939 was das Makulatur, als im geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt Estland an die Sowjetunion fiel und 1940 Kommunisten von Stalins Gnaden die Regierungsgewalt übernahmen. Fortan gab es die Estnische Sowjetrepublik, etwa 22.000 Bürger, vor allem der estnischen Führungsschicht, wurden von den Sowjets verschleppt und liquidiert. Der zweiten Deportationswelle fielen mindestens 75.000 Esten zum Opfer - sie wurden in die Sowjetunion verschleppt und zumeist durch Russen ersetzt. Nach dem Sieg der Roten Armee 1944 übte Stalin auf diese Weise Vergeltung für Kollaboration mit den Deutschen, die das Land 1941 besetzt und währen des Krieges etwa 6000 Esten ermordet oder hingerichtet hatten. Der Weg in die Freiheit begann am 30. März 1990, als der Oberste Sowjet Estlands seinen Willen zur Unabhängigkeit bekundete. Moskau reagierte mit Sanktionen. Doch nach dem Scheitern des Putsches gegen Michael Gorbatschow im August 1991 setzte das Parlament in Tallinn die Unabhängigkeit in Kraft; einen Monat später stimmte Moskau zu. Spannungen mit Rußland gibt es auch heute noch wegen der Behandlung der russischen Minderheit und Grenzstreitigkeiten im Narwa- und Petschory-Gebiet. Aktuelle Entwicklungen: In Estland hat die regierende Reformpartei die Parlamentswahlen gewonnen. Die Partei von Ministerpräsident Andrus Ansip kam auf nach Hochrechnungen auf etwa 27 Prozent der Stimmen, dicht gefolgt von der Zentrumspartei mit 25 Prozent, meldete die baltische Nachrichtenagentur BNS am 04.03.2007. Die liberale Reformpartei und die linke Zentrumspartei bildeten zusammen mit der kleineren Volksunion bereits bisher das Regierungsbündnis in Tallinn. Insgesamt würden nach der auf der Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen basierenden Hochrechnung sechs Parteien im künftigen Riigikogu (Reichstag) vertreten sein. Damit wäre Ansip erneut auf die Bildung einer Koalition angewiesen. Erstmals ins Parlament einziehen dürften demnach die estnischen Grünen mit etwa 8 Prozent. Im Wahlkampf hatte Ansip Steuersenkungen versprochen. Die Parteienlandschaft der ehemaligen Sowjetrepublik gilt als pragmatisch. Koalitionsaussagen wurden vor dem Entscheid vermieden. Ansips Reformpartei konnte um etwa neun Prozent zulegen, während die Zentrumspartei im Vergleich zu den letzten Parlamentswahlen von 2003 stabil blieb. Die konservative Opposition verlor drastisch. Staatspräsident Toomas Ilves hatte angekündigt, den Wahlsieger mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Rund 950 000 Bürger der Ostseerepublik waren erstmals seit dem Beitritt Estlands zur Europäischen Union zur Parlamentswahl aufgerufen. Etwa vier Prozent von ihnen nutzten nach vorläufigen Angaben die weltweit erstmals eingesetzte Möglichkeit, per Internet ihre Stimme abzugeben. Die Wahlkommission in Tallinn gab die allgemeine Wahlbeteiligung vorläufig mit 61 Prozent an. |
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