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Baden-Württemberg Baden-Württemberg ist das naturräumlich vielseitigste Bundesland. Das hat zwei Gründe. Einmal bewegt sich hier die Erdkruste seit ewig langer Zeit intensiver als anderswo in Deutschland. Auch heute noch wird Baden-Württemberg von schwachen Erdbeben heimgesucht. Zum zweiten besteht der Untergrund überwiegend aus Kalkstein. Dieser lösliche Stein bildet in der Schwäbische Alb mit Schluchten und Höhlen das unruhige Karstrelief. Hier treffen auch beinahe Rhein und Donau aufeinander. Schwarzwald und Bodensee sind die touristischen Aushängeschilder des Landes. Den traditionsreichen Universitätsstädten Freiburg, Heidelberg und Tübingen steht mit Stuttgart eine moderne und reiche Landeshauptstadt gegenüber. Nach Einwohnern und Größe belegt Baden-Württemberg Rang drei in Deutschland. Bis auf das Alpenvorland um den Bodensee herum gehören alle Landesteile zum Zentraleuropäischen Mittelgebirge. Dessen südlicher Abschnitt wird in Deutschland als Schichtstufenland bezeichnet. Von Westen nach Osten treten folgende Landschaften auf: das Oberrheinische Tiefland mit dem Kaiserstuhl, der Schwarzwald, das Süddeutsche Gäuland und die Schwäbische Alb. Das Oberrheinische Tiefland östlich des Rheins ist eine der "Kornkammern" Baden-Württembergs. Es ist gegenüber den begleitenden Höhenzügen der Vogesen und des Schwarzwaldes um rund 1000 m abgesenkt. Im Tiefland fällt wenig Regen und die Temperaturen sind überdurchschnittlich hoch. Hier zieht der Frühling zuerst in Deutschland ein. Eine landschaftliche Besonderheit innerhalb des Grabens ist der Kaiserstuhl. Er ist der Rest eines ehemaligen Vulkangebirges. Zu einer späteren Zeit wurde Löss angeweht, so daß auf dem Berg fruchtbare Böden vorherrschen. Der Schwarzwald ist von Norden nach Süden rund 160 km lang. In der Breite mißt er 30 bis 50 km. Man teilt ihn in Nord-, Mittel- und Südschwarzwald ein. Die Wälder haben sich in den vergangenen 20 Jahren durch Luftschadstoffe etwas gelichtet. Der Schwarzwald war eine der ersten Regionen, in der das Problem des Waldsterbens offen zutage trat. Die Schäden fielen hier eher auf, weil die Regenmengen sehr hoch sind. Der höchste Berg ist der Feldberg (1493 m) im Süden. Das ganze Jahr über zählt der Schwarzwald zu den beliebtesten deutschen Urlaubszielen. Das Süddeutsche Gäuland schlängelt sich entlang des Neckars zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Nördlich von Stuttgart wächst es ballonartig an und nimmt die fruchtbaren Ländereien des Strohgäu und Kraichgau ein. Als einheitliche Landschaftsregion reicht das Gäuland nordwestlich über Würzburg hinaus bis zum Thüringer Wald. Die Schwäbische Alb verläuft nördlich der Donau und reicht bis zum Nördlinger Ries in Bayern. Sie wird in die höhere Kuppenalb auf der Nordseite und die niedrigere Flächenalb auf der Südseite unterteilt. Die Donau zwängt sich dort hindurch und formt ein prachtvolles Tal. Auf der Schwäbischen Alb wechseln sich Wälder, Felder und Wiesen ab. Das lösliche Kalkgestein macht die Alb zum größten Karstgebiet Mitteleuropas. Weit verbreitet sind die sogenannten Trockentäler, in denen das Wasser der Bächer plötzlich im Untergrund verschwindet und irgendwo an anderer Stelle wieder auftaucht. Ein ähnliches Schicksal erleidet im Spätsommer und Herbst auch die Donau, deren Flußbett in der westlichen Als viele Schlucklöcher besitzt. Über die gesamte Alb hinweg treten die Dolinen auf. Der Alb-Kalkstein enthält zahllose Fossilien. Im nördlichen Vorland dehnt sich, östlich von Stuttgart, der Schwäbische Wald aus. Hier sind tiefe Schluchten, kantige Felsen, Wasserfälle und dunkle Grotten weit verbreitet. Die Einheimischen bezeichnen diese Schluchten auch als Klingen. nach Osten werden die Formen etwas sanfter. das große Waldgebiet diente früher als wichtiger Hoflieferant. Zwischen Schwäbischer Alb und dem Bodensee liegt der Hegau. Er ist sozusagen das Gegenstück zum Kaiserstuhl, denn er besteht ebenfalls aus Vulkangestein. Doch seine Bergkuppen sind viel spektakulärer. Sie sind nämlich die gefüllten Schlotreste ehemaliger Vulkane, die in Jahrmillionen von den Kräften der Natur abgetragen wurden. Der Bodensee im Dreiländereck mit der Schweiz und Österreich ist der größte deutsche See. Er besteht aus drei Teilen: dem Überlinger See, dem Untersee und dem gewaltigen Obersee. Der Bodensee wurde u.a. durch die Gletscher vergangener Eiszeiten geformt. In den Sommermonaten ist er ein überlaufenes Urlaubsziel. Der Aachtopf nordwestlich des Bodensees ist die größte Karstquelle Deutschlands. Das Quellwasser steigt aus dem Untergrund in einem 50 m weiten Rundkessel hervor. Auf gewisse Weise verbindet der Aachtopf die Donau mit dem Rhein. Das Wasser, das von der Donau in der Schwäbischen Alb bei Immendingen versickert, taucht hier wieder auf. Die Aach ihrerseits fließt zum Untersee (Bodensee), der das Wasser an den Rhein weiterleitet. Der Blautopf westlich von Ulm gilt als die zweitgrößte Quelle in Deutschland. Er ist für seine herrliche Waldumgebung und die intensive Blaufärbung des Wassers bekannt. Bodenschätze/Landwirtschaft Abgesehen von Mineralquellen und natürlich von Kalkstein gibt es in Baden-Württemberg keine abbauwürdigen Bodenschätze. Die Landwirtschaft hat große Bedeutung. Auf der Schwäbischen Alb wird Schaf- und Milchviehwirtschaft betrieben. Im Kraichgau stehen Getreide- und Hackfruchtbau an erster Stelle. Ansonsten überwiegen die Sonderkulturen mit Wein und Obst, sowohl in der Oberrheinischen Tiefebene als auch am Neckar. Wirtschaft/Verkehr In Baden Württemberg hat sich der Ballungsraum Mittlerer Neckar rund um Stuttgart zu einem der wichtigsten Wirtschaftszentren Deutschlands entwickelt. Die großen Industriezweige werden hier von der Autoindustrie angeführt. Der Mangel an Bodenschätzen wurde schon im vergangenen Jahrhundert durch hochwertiges Handwerk ausgeglichen (Uhren, Optik und Musikinstrumente). Die Landeshauptstadt Stuttgart ist auch eine bedeutende Messestadt. Der Fremdenverkehr hat einen hohen Stellenwert. Gemessen an der Wirtschaftskraft belegt Baden-Württemberg knapp hinter Bayern Rang drei in Deutschland. Der Großraum Stuttgart ist ein wichtiger Knotenpunkt für Schiene und Straßenverkehr. Die Landeshauptstadt kann man auch über den Neckar und per Flugzeug erreichen. Rhein- und Neckartal sind verkehrsgünstige Schneisen zwischen den Höhenzügen. Münster in Freiburg; Münster in Ulm; Stadtkern von Heidelberg; Blumeninsel Mainau Schichtstufenland --> eine bestimmte Abfolge von Gesteinsschichten, die an der Erdoberfläche deutliche Formen hinterläßt. Hier wechseln sich relativ weiche Gesteinsschichten mit relativ harten Schichten, meist aus Sand- oder Kalkstein, ab. Die harte Gesteinsbank verwittert kaum und bildet eine Stufe über dem weichen Gestein. Folgen mehrere solcher Stufen aufeinander, dann ist eine Landschaft aus Schicht-Stufen entstanden. Gäu --> Unter Gäu (oder Gau) versteht man eine Art Hochebene, eine flache bis wellige, erhöht liegende Landschaft. Dolinen --> Dolinen sind Erdlöcher, die in Form von Trichtern, Mulden und Schächten auftreten können. Die kleinsten sind nicht größer als ein Topf, die größten sind größer als ein Fußballfeld und manchmal Dutzende von Metern tief. Dolinen entstehen auf verschiedene Weise, die kleineren vor allem durch Verwitterungsprozesse an der Oberfläche, die größeren durch Bildung von unterirdischen Hohlräumen, die irgendwann einstürzen (Einsturzdoline). |
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